Freitag, 20. Dezember 2013

Erster Prozess gegen Yelp in der Berliner Morgenpost

Portal Yelp darf Bewertungen nicht willkürlich wegfiltern

Eine Boutique-Inhaberin aus Berlin-Mitte hatte gegen Yelp geklagt. Das Hamburger Landgericht urteilte in ihrem Sinne. Das Bewertungsportal betont dagegen, zum Nutzen der Konsumenten zu handeln.
Von Tanja Laninger
Foto: Yelp

Die US-Firma Yelp hatte 2012 das deutsche Bewertungsportal Qype gekauft und filtert bestimmte Bewertungen heraus. Der Einsatz der Software soll Diffamierungen oder Eigenwerbung verhindern, schließt aber auch positive Äußerungen aus
Die US-Firma Yelp hatte 2012 das deutsche Bewertungsportal Qype gekauft und filtert bestimmte Bewertungen heraus. Der Einsatz der Software soll Diffamierungen oder Eigenwerbung verhindern, schließt aber auch positive Äußerungen aus
Ein Berliner Unternehmen wehrt sich gegen schlechte Bewertungen auf Yelp – mit Erfolg. Per Beschluss des Landgerichts Hamburg (Aktenzeichen 324O662/13) wird dem Portal yelp.deuntersagt, auf seiner Internetseite als Gesamtbewertung für das Fachgeschäft für Abendmode "Indigo Pearl" in Berlin-Mitte nur einen von fünf oder zwei von fünf möglichen Sternen anzuzeigen.
Die US-Firma Yelp hatte 2012 das deutsche Bewertungsportal Qype gekauft und filtert bestimmte Bewertungen heraus. Der Einsatz der Software soll Diffamierungen oder Eigenwerbung verhindern, schließt aber auch positive Äußerungen aus.
Davon sind zahlreiche Gewerbetreibende betroffen. Mehrere Berliner Geschäftsinhaber kündigten kürzlich in der Morgenpost an, deshalb gegen Yelp klagen zu wollen. Gegründet wurden von Betroffenen auch eine Facebook-Seite und ein Blog, um sich zu wehren.

Von fünf auf zwei Sterne zurückgestuft

"Das Ganze ist extrem geschäftsschädigend", sagt Agnieszka Steinberg, Inhaberin von Indigo Pearl. "Mit der Übernahme wurden rund 95 Prozent unserer guten Bewertungen ausgefiltert. Anstelle der Bestbewertung '5 von 5 Sternen' auf Qype hatte mein Geschäft über Nacht nur noch ein bis zwei Sterne bei Yelp." 53 der 54 von Yelp ausgefilterten Bewertungen seien Bewertungen mit fünf Sternen gewesen, außerdem gab es eine Vier-Sterne-Note.

Gericht sieht Verletzung des Persönlichkeitsrechts

Das Landgericht führt in seiner einstweiligen Verfügung an, dass das Unternehmen Yelp mit der Gesamtbewertung eine Meinungsäußerung kundtut. Doch "Meinungsäußerungen, für die es keine Anknüpfungspunkte gibt, sind indes zu untersagen. Das ist hier der Fall". argumentieren die Richter. Es sei "in keiner Weise ersichtlich, dass die für die Gesamtbewertung nicht berücksichtigten Beiträge zu Recht ausgeschlossen wurden". Frau Steinberg werde in ihrem Unternehmenspersönlichkeitsrecht verletzt. Im Fall der Zuwiderhandlung hat das Gericht ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft von bis zu zwei Jahren festgesetzt.
Bei Qype war Frau Steinberg mit ihrer Boutique an der Auguststraße in den vergangenen Jahren auf eine Fünf-Sterne-Bewertung gekommen. "Viele Kundinnen informieren sich im Netz über das Geschäft, bevor sie einkaufen", sagt ihr Mann Jens Steinberg, der sie als Rechtsanwalt und Partner der Berliner Kanzlei Greyhills im Verfahren gegen Yelp vertritt. Durch die schlechte Yelp-Bewertung habe ihr Weihnachtsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr erhebliche Einbußen erlitten.
Daran wird der Beschluss wohl nichts mehr ändern. Er muss Yelp in Dublin zugestellt werden, die für das Deutschlandgeschäft zuständig sind. Das wird wohl erst im Januar 2014 der Fall sein", schätzt Jens Steinberg. Seiner Ansicht nach habe das Urteil Signalwirkung für alle betroffenen Unternehmer, von der Autowerkstatt über den Friseur bis zum Zahnarzt, und er rät ihnen, sich juristisch gegen Yelp zu wehren.

Yelp will manipulierte Bewertungen verhindern

Yelp-Sprecherin Hanna Schiller betonte auf Anfrage der Berliner Morgenpost, dass Yelp noch nie von einem Gericht aufgefordert worden sei, sich anders zu verhalten, als die Firma es tue. "Unsere Absichten sind klar: Wir arbeiten aktiv daran, die hilfreichsten und verlässlichsten Beiträge anzuzeigen – zum Nutzen der Konsumenten. Unternehmen können sich keinen positiven Ruf bei Yelp beschaffen, indem sie einen Anwalt engagieren." Die von vielen kritisierte Empfehlungssoftware wird laut Schiller "ständig weiterentwickelt. Sie guckt sich die Daten laufend an und wird optimiert, um gegen die anhaltenden Bemühungen von Menschen vorzugehen, die versuchen, das System zu umgehen und Konsumenten durch manipulierte Bewertungen in die Irre zu führen."

1 Kommentar:

  1. Bei mir hat Yelp auch Kommentare, bzw. positive Bewertungen als "nicht zu empfehlen" deklariert und aus der Sterne-Bewertung herausgefiltert. Das waren alles wirkliche Kunden von mir, was ich jederzeit beweisen kann. Die "ständige Weiterentwicklung" von Yelp besteht darin selbst zu manipulieren. Die spielen sich als Polizei von Verbraucherinteressen auf, handeln aber aus einem ganz anderen Eigeninteresse. Sie wollen sich selbst bei Google nach vorne bringen um über ihren Skandal mehr Präsenz zu erzielen im Netz. Dann behaupten Sie auch, niemand habe sie aufgefordert, etwas zu ändern, weil sie kein deutsch verstehen könnten. Das ist ein lächerlicher Abwimmelversuch. Sie auch http://klaviere-fluegel.blogspot.de

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